Sa. 02.02.2019 19 Uhr im Pixxl-Kino: Im inneren Kreis

Im Inneren Kreis

Ein Film über die bei der Roten Flora in Hamburg eigeschleusten Spitzel des Verfassungsschutzes.
(Kritik von Simon Hauck)
Was im ersten Moment nach kaltschnäuzigen DDR-Romeo-Spionen klingen mag oder – filmhistorisch betrachtet – quasi schon automatisch an wilde, cocktailgetränkte James-Bond-Agentenabenteuer denken lässt, sieht in der täglichen Praxis – gerade in Deutschland – völlig anders aus. Mit einer kleinen Besonderheit: Verdeckte Ermittler folgen streng den Anweisungen ihres VE-Leiters und korrespondieren im Alltag sehr häufig mit ihnen, schreiben hierfür Beobachtungsberichte usw. und integrieren sich in der Mehrzahl ziemlich geschickt innerhalb der jeweiligen Szene, obwohl sie vor Ort logischerweise jederzeit auffliegen könnten.
Umso erstaunlicher ist es nun, dass es gerade der Hamburger Szene im und um das Schanzenviertel seit den 2000er Jahren bis heute vermehrt gelungen ist, einige von diesen für „sechs bis siebenstellige Summen“ (Jan Reinecke) ausgebildeten Mitarbeitern des LKA Hamburgs oder des Generalbundesanwalts medienwirksam auffliegen zu lassen. Der deutschlandweit bekannte „Fall Iris P.“ ist sicherlich der unrühmlichste davon: Ihm wird in diesem thematisch durchaus spannenden Dokumentarfilm (u.a. mit Generalbundesanwalt a.D. Kay Nehm oder dem früheren Innenminister Gerhart Baum) dramaturgisch sehr viel Platz eingeräumt: Völlig zu Recht, denn diese Causa wirft weiterhin viele unangenehme Fragen auf. Den beiden Dokumentar-filmern ist es mit diesem ambitionierten Low-Budget-Projekt absolut gelungen, ein größeres Interesse für diese stark umstrittene Undercover-Form der Polizeiarbeit zu schaffen. Fortsetzung folgt: Vielleicht ja schon beim anstehenden G20-Gipfel in Hamburg (Geschrieben vor dem G20-Gipfel).