Sa. 05.01.2019 19.00 Uhr im Pixxl-Kino: Der Dritte Mann

(Ulrich Behrens)
Es ist das dunkle Wien, das Wien der Schatten, der Korruption, des nachwirkenden Krieges, der Trümmerlandschaften, der feuchten Keller, eine Stadt des Verborgenen, des Skrupellosen, der Schieber und Spekulanten, der um Macht konkurrierenden vier Besatzungsmächte, der Lebemänner, des Schwarzmarktes – ein Ort, an dem sich menschliche „Kanalratten“ die Hände reichen und im nächsten Moment umbringen.
Reed wählte die – inzwischen mehr als berühmte – Zither-Musik Anton Karas, die dieses ganz andere Wien mit einem Mantel, nicht des Fröhlichen oder gar Feucht-Fröhlichen umgibt, sondern der düsteren Atmosphäre der Geschichte und ihrer Umgebung einen besonderen Touch verleiht.
Holly, der Unschuldige, der Westernheftchen schreibende, wahrheitsliebende, ehrliche Holly Martins sieht sich mit seinem alten Freund Harry konfrontiert, der zu einem der größten Verbrecher des Nachkriegs-Wien geworden ist, der seinen eigenen Tod inszenierte, bei dem natürlich auch ein anderer sein Leben lassen musste, einen skrupellosen, gefühllosen, egozentrischen Mann, der den Tod nicht fürchtet und den Tod provoziert.
„The Third Man“ ist ein Porträt, die realistische Schilderung einer Atmosphäre, die Geschichte von Personen, die unterschiedlicher nicht sein können, die aufeinander treffen, aber was ändert sich eigentlich? Der dritte Mann, den der Portier gesehen hat, ein Mordopfer Limes, steht für den Tod, den Männer wie Lime verbreiten, den Mord, den sie befehlen, die Verbrechen, die sie begehen. Der dritte Mann ist tot. Und ohne es jemals auszusprechen, anzusprechen, zu fordern, steht „The Third Man“ doch eben auch für eine Welt, in der Männer wie dieses „taktische“ Opfer Limes und die Opfer, die Harry Lime zu verantworten hat, keine mehr sind.
Carol Reed gelang, mit Orson Welles in einer schrecklich-schönen Rolle, ein Klassiker des film noir.

Programmübersicht und Reservierung

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